"Die Analphabetin" von Agota Kristof



Im Jahre 2015 hatte die Hamburgische Staatsoper die wunderbare Idee eines besonderen Adventskalenders. Neben Ballet und Oper hatten sie Hannelore Hoger eingeladen, das autobiographische Buch "Die Analphabetin" von Agota Kristof vorzulesen. Es ist ein kleines, dünnes Büchlein und die Vorlesung dauerte keine 1 1/2 Stunden. Wir saßen auf den Treppen des Foyers und lauschten. Berührend und spannend. In kurzen, knappen Sätzen geschrieben beschreibt sie ihr Leben, von klein auf an.

Sie wuchs wohlbehütet in Ungarn auf. Als die Kommunisten dort regierten und die Lebensmittel knapper wurden und der Vater deswegen verhaftet wurde , kommen sie und ihre Schwester in ein staatliches Internat. Früh geheiratet, flieht die 1956 in die Schweiz und lernt dort, als fleissige Nutzerin der Sprache, eine neue Sprache.

Französisch. Sie hasst alles!

Dass sie sich nicht ausdrücken kann.

Dass sie sie ihrer Muttersprache beraubt!

Weil sie Ungarisch immer weniger spricht, und nie (ihrer Meinung nach) Französisch so gut sprechen wird. Mich hat dieser Vergleich: Lernen einer neuen Landessprache und dadurch Raub ihrer Muttersprache, sehr betroffen und nachdenklich gemacht.

Nun habe ich dieses Buch gehört und danach gelesen genau zu der Zeit, als die Flüchtlingswelle nach Deutschland und Europa ihren Höhepunkt hatte und ich an all' diejenigen dachte, die genauso ihrer Sprache und, die Menschen aus Syrien, sogar ihrer Buchstaben "beraubt" wurden. Würden sie uns deswegen auch hassen? Ein Buch, das wirklich sehr nah geht. Und zum Nachdenken über den ganzen Irrsinn Krieg und Flucht anregt.

Wem ich das Buch schenken würde?

Menschen ab 13/14 Jahren. Auch zum Verstehen, warum wir Europäer unseren Frieden und unsere Demokratie schützen müssen!

Taschenbuch: 80 Seiten

Verlag: Piper Taschenbuch (1. Juli 2007)

ISBN-10: 3492249027

ISBN-13: 978-3492249027

Originaltitel: L'Analphabète​

Preis: 9,00 Euro


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