Abschlussball - Jess Jochimsen


Abschlussball - Jesse Jochimsen

Eine Buchempfehlung. Soll mir gefallen.


Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich mit dem Lesen einlasse.


Schaue mir gerade noch den Buchdeckel an. So treffend. So verwirrend.

Was hat ein Abschlussball mit einem Trompeter zu tun? Und warum steht er am Abgrund? Steht er am Abgrund? Der ist aber nicht so tief. Was also hat es zu bedeuten? ...


Ich schlage das Buch auf und tauche ein in die Gedankengänge von Marten.

Er ist einer der Trompeter vom Münchner Nordfriedhof, die das letzte Lied für die Verstorbenen spielen.

Musik.


"Die einfachste Sprache der Welt."

Das ganze Buch ist eine aussergewöhnliche Komposition. Aus aneinander gereihten Buchstaben, die dann Wörter ergeben.

Begebenheiten und Begegnungen, Zufällen - die vielleicht keine sind, und dem Schicksal, dem man irgendwie nicht entrinnen kann.


Und in Allem ist Musik.

Es beginnt mit einem Prolog, in dem wir Leser erfahren, dass der Protagonist Marten, melancholisch durch sein Leben geführt wird. Irgendwie fremdbestimmt. Irgendwie traurig. Und irgendwie gewinnen wir ihn lieb - in all seiner Komplexität und Schrägheit. Und verstehen ihn auch ein bisschen. Seine Art sich selbst zu retten, wenn es gar nicht mehr geht und er im Trudel der Melancholie ertrinkt.

Marten wird der, der er als Erwachsener ist, weil er als Kind keine andere Wahl hatte - oder doch? Er ist so logisch, dass es mir immer wieder den Atem nimmt. Er pfeift auf Konventionen, weil er sie einfach nicht braucht. Er ist so frei und trotzdem muss er einem Gelderwerb nachgehen. Irgendwann wird er Trompeter auf Beerdigungen.


Auch zu seiner Trompete kam er als Kind - natürlich - auf ungewöhnliche Art und Weise. Sein Trompetenlehrer hat Verständnis und schafft es, ihn zum Tropeten zu führen - lange, ohne auch nur einen Ton zu spielen. Doch irgendwann spielt er. Und er wird richtig gut. So gut, dass er dann davon leben kann.

Auf dem Münchner Nordfriedhof werden natürlich auch Menschen beerdigt, die keine und/oder kaum jemanden haben, der um sie weint.. Dann organisiert Bestatter Berger Abschlussbälle, zu denen die gesamte Münchner "Unterwelt" erscheint - die, die sonst keiner mehr kennen möchte . Sie trauern dann auf ihre Weise um den Verstorbenen und verabschieden denjenigen dann festlich. Im wahrsten Sinne des Wortes - es sind zum Teil rauschende Feste, die dort in der Aussegnungshalle, stattfinden. Marten spielt auf so einer Feier zur Beerdigung seines ehemaligen Schulkameraden, Wilhelm Schocht. Für diesen Abschlussball hat Berger sehr viel Geld - anonym - erhalten. Nach der Feier findet Marten auf dem Weg die EC-KArte von Schocht. Und eine verrückte Geschichte beginnt. Und sie zeigt ihm all das im Leben auf, dem er bishher aus dem Weg gegangen ist. Glück, Menschen und Liebe.

"Menschen erzählen sich Geschichten, um zu leben. Und für den Tod brauchen sie die Musik."

Ich möchte gar nicht mehr verraten, es ist so ein erfüllendes Buch. Und das sollte man selbst lesen. Am Besten mit Zeit, denn wenn man erst "drinnen" ist, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wem ich es schenken würde? Freunden!


  • Gebundene Ausgabe: 312 Seiten

  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (9. Juni 2017)

  • Sprache: Deutsch

  • ISBN-10: 3423281162

  • ISBN-13: 978-3423281164




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